Darmstädter Präventionspreis 2011
Wettbewerb Prävention konkret, Eingetragen von Volker Weyel am 22.9.2011
Der Förderverein Prävention e.V. verleiht im Rahmen der diesjährigen Präventionskonferenz Präventionspreis 2011.
Der Wettbewerb richtet sich an Projekte und Initiativen aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Der Präventionspreis wird in einem jährlichen Wettbewerb vergeben und ist mit 3000 Euro dotiert.
Mit dem Wettbewerb will der Förderverein Prävention e.V. beispielhaftes Engagement im Bereich der Suchtpävention wie auch nachhaltige Konzepte und Projekte in der Sucht- und Drogenhilfe würdigen und der Öffentlichkeit bekannt machen.
Die Bewerbung um den Präventionspreis 2011 kann mit einer Kurzbeschreibung des eingereichten Beitrags per E- Mail oder auf dem Postweg bis zum 09. Oktober 2011 an die Geschäftsführung des Fördervereins gesandt werden.
Hier können auch die Bewerbungsunterlagen angefordert werden.
Förderverein Prävention e.V.
Geschäftsführung
Volker Weyel
Frankfurter Straße 71
64293 Darmstadt
Von Fußballprofis lernen
Jugendarbeit: Deutscher Fußballbund zeichnet Darmstädter Präventionskampagne „Meine Abwehr steht!“ aus – Giacomos Erkenntnis: Man kann schnell auf die schiefe Bahn geraten Darmstädter Echo 10. Juni 2011, Eingetragen von Volker Weyel am 22.9.2011
Nach einem Blitzturnier auf dem Bolzplatz vor dem Jugendhaus Messeler Straße ruft Sozialpädagoge Bernd Schmiedeke per Mikrofon. Schon kommen die fußballbegeisterten Kinder und Jugendlichen zusammen, um für ein Foto zu posieren. Mit auf dem Bild sind der künftige Oberbürgermeister Jochen Partsch, der Vizepräsident des Hessischen Fußballverbands, Gerhard Hilgers, und der Präsident des SV 98, Hans Kessler.
Rundherum strahlen die Gesichter, denn Mittwochabend ist Preisverleihung. Alle tragen die stahlblauen T-Shirts mit der Aufschrift „Meine Abwehr steht!“. Dieser Satz steht für eine Darmstädter Kampagne zur Suchtprävention, die bei der bundesweiten Sozialkampagne „Kinderträume 2011“ des Deutschen Fußballbundes vom ehemaligen Nationalwart Jens Lehmann ausgewählt und mit 3000 Euro gewürdigt wurde.
Rund 150 bis 200 Kinder haben bei der „zielgerichteten Prävention“, bei der es um Bewegung, Ernährung sowie den maßvollen Umgang mit Alkohol ging, teilgenommen, sagt der städtische Suchthilfekoordinator Volker Weyel. Ein Großteil des Nachwuchses komme aus belasteten Familien, in denen Eltern diesbezüglich keine Vorbilder seien.
So konsumieren einer Schülerbefragung in Darmstadt zufolge 50 Prozent der befragten Zwölf- bis Vierzehnjährigen regelmäßig Alkohol. Bei 72 Prozent wissen die Eltern von dem Konsum ihrer Kinder, und 47 Prozent der Eltern dulden den Alkoholkonsum sowie Zigaretten auch zuhause.
Viele sozial benachteiligte Kinder seien durch klassische Präventionsstrategien nicht zu erreichen, weiß Weyel aus Erfahrung. Deshalb wählte man Fußballprofis, mit denen sich der Nachwuchs gerne identifiziert: So entstand die Kooperation zwischen der AG Kobra, die alle Träger von Jugendarbeit der Stadt vereint, des Kommunalen Präventionsrats und des SV 98.
Die Kinder und Jugendlichen hatten bei dem Projekt die Gelegenheit, nach Trainingseinheiten mit den Profis sich auch mit ihnen über Suchtverhalten und die eigene Lebensgeschichte zu unterhalten. Zudem gab es Gesundheitsworkshops, und je ein SV 98-Spieler hat eine Patenschaft für ein Jugendhaus übernommen.
Der 17 Jahre alte Sandro, der mit seinem Freund Giacomo (18) vor dem Arheilger Jugendhaus steht, meint: „Wir haben alle Spieler kennen gelernt und mit ihnen gekickt, das hat richtig Spaß gemacht.“ Toll fand Sandro natürlich, dass er sogar den Torwart ausgetrickst hat. „Na ja, von zehn Schüssen war einer drin“, relativiert er.
Giacomo findet gut, „dass die was für die Jugendlichen getan haben“. Und, dass sie viel über Alkoholmissbrauch gelernt hätten: „Man kann schnell auf die schiefe Bahn geraten“. Die beiden sind „jetzt wieder“ Lilien-Fans, nachdem die Mannschaft in die Dritte Liga aufgestiegen ist. Ein bisschen Medienstar ist Sandro auch geworden, denn das Projekt wurde per Video festgehalten, und Sandro ist in einer Sequenz zu sehen.
Begeistert stehen die Kinder vorm Bildschirm, schauen sich immer wieder den Film an. Der zehnjährige Dominic Beer freut sich darüber, dass er den Aktivspielplatz darin entdeckt. „Da haben wir neulich seinen Geburtstag gefeiert“, erläutert Papa Reinholf.
Für Weyel, sind bereits erste Erfolge zu verzeichnen, „wenn die Jugendlichen zu Hause von ihrer Begegnung mit den Profi-Fußballern erzählen“.
„Ich konnte nie Stopp sagen“
Suchthilfe: Bundesweite Aktionswoche „Alkohol 2011“ – Infostand des Kommunalen Präventionsrates in der Ernst-Ludwig-Straße mit der künftigen Sozialdezernentin Darmstädter Echo 27. Mai 2011, Eingetragen von Volker Weyel am 22.9.2011
Es ist nun wirklich kein Nischenphänomen. Über neun Millionen Deutsche trinken Alkohol „auf riskante Weise, 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig“ – gab die deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) zu Beginn der Aktionswoche „Alkohol 2011: Weniger ist besser!“ in Berlin zu Protokoll. Die Aktionswoche dauert noch bis zum kommenden Sonntag (29.), in Darmstadt stellte der Kommunale Präventionsrat einen Infostand zum Thema mitten in den Strom der Einkäufer in der Ernst-Ludwig-Straße.
„Wir schaffen es mit dieser Aktion, alle in einem Boot zu haben“, freut sich Volker Weyel, Suchthilfekoordinator und Leiter des Präventionsrates. Alle – das sind all jene Organisationen, die mit Vorbeugung, Aufklärung und Therapie in Sachen Alkoholsucht zu tun haben, vom Blauen Kreuz über die Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Suchtkrankenhilfe bis zur Fachklinik Haus Burgwald.
Alkohol ist überall, und Geselligkeit kommt privat wie öffentlich kaum ohne ihn aus. Nicht zuletzt der kollektive Rausch bei Abifeten, beim Schlossgraben- oder beim Heinerfest ist ein öffentlich zelebrierter. Dennoch, in Darmstadt gebe es keine signifikanten Änderungen in Sachen Alkoholgefährdung, sagte die künftige Sozialdezernentin Barbara Akdeniz bei einem Besuch am Infostand.
Man wolle auch keinesfalls Aufklärung mit erhobenem Zeigefinger machen, sagt Akdeniz. Es gehe nicht um Alkoholverbote, sondern um konkrete Sensibilisierung in allen Altersklassen, wie schnell Alkohol erst zur Gewohnheit und danach zum Problem werde. Dafür stehe auch das vom Land Hessen geförderte „Halt-Projekt“, das nun mit einem Netzwerk lokaler Kooperationspartner umgesetzt werde. „Halt“ betreibt die systematische und frühzeitige Ansprache von Kindern und Jugendlichen, die mit einer schweren Alkoholvergiftung stationär behandelt werden. Das erfordert funktionierende Schnittstellen zwischen Medizin und Suchtprävention.
Wolfgang Schmidt-Rosengarten, Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS), fordert, die Kooperation zwischen allen an der Suchtbekämpfung Beteiligten zu verbessern. Die „Exzesse im öffentlichen Raum“, etwa das jugendliche Komasaufen oder die exzessiven Trinkriten rund um Ligaspiele im Fußball hätten „noch gar nix mit Sucht zu tun“, sagt er. Auch der Öffentlichkeit müsse klar sein, „dass wir an dieser Stelle keinen Regierungswechsel brauchen und keine neuen Gesetze, um das Problem zu bearbeiten“. Wichtig sei allein die koordinierte Zusammenarbeit aller beim Kampf gegen die werdende Sucht.
Hans-Peter Schmidt war am Infostand ebenfalls tätig. Er ist regionaler Männerbeauftragter beim Kreuzbund (Diözesanverband Mainz) und war selbst Alkoholiker. „1999 hat mich meine Frau vor die Tür gesetzt“, erzählt er frank und frei. Er hat sich mit einer Therapie von der Droge Alkohol befreit, danach mit einer Suchtkrankenhelfer-Ausbildung die Initiative ergriffen, um seine Erfahrungen zu nutzen, auch anderen qualifiziert zu helfen. „Ich konnte früher nie Stopp sagen beim Trinken.“ Aber genau das müssten alle lernen, die dem
Alkohol verfielen: „Hart gegen sich selbst werden, Regeln einhalten und Nein sagen.
In langer Schlange zum Autogramm
Prominente und Kinder werben für die Ziele der Darmstädter Präventionskampagne "Meine Abwehr steht" Darmstädter Echo 01. August 2011, Eingetragen von Volker Weyel am 22.9.2011

SV Darmstadt 98: Mannschaftsvorstellung am Böllenfalltor und ein Kick mit Kids und Promis vor dem Borussia-Spiel
Anstehen am Autogrammtisch: Viele Fans nutzten am Samstag im Böllenfalltorstadion bei der Mannschaftsvorstellung die Gelegenheit, sich mit aktuellen Autogrammen einzudecken. Auch Trainer Kosta Runjaic war ein gefragter Mann. Foto: Claus Völker
Ihre Abwehr steht: Vor dem Spiel gegen Dortmund kickten am Samstag im Böllenfalltorstadion zwei Teams unter anderem mit Bürgermeister und Sportdezernent Rafael Reißer (hinten, Zweiter von links), Polizisten, Lilien-Spielern und vielen Kids, um auf die AG-Kobra-Kampagne zur Suchtprävention, „Meine Abwehr steht“ aufmerksam zu machen. Foto: Claus Völker
Während in den vergangenen Jahren eine große Saisoneröffnung zum Programm am Böllenfalltor gehörte, fällt 2011 der Auftakt mit den Fans etwas bescheidener aus. Grund dafür ist die gerade einmal sechs Wochen lange Sommerpause.
„Das hat dann vom Terminkalender her nicht mehr hingehauen“, erklärt Geschäftsführer Michael Weilguny. Schließlich steht die sportliche Vorbereitung und die Integration zahlreicher Neuzugänge im Mittelpunkt. Nun wurde das Testspiel genutzt, um die Mannschaft vorzustellen.
Wir trinken alle ganz gerne
KPRd Präventionskonferenz 2010 Jugend und Alkohol zwischen Kompetenz und Koma Artikel Darmstädter Echo 13. November 2010, Eingetragen von Volker Weyel am 26.11.2010
Jugend und Alkohol war Thema der Präventionskonferenz und wird eine Kampagne im kommenden Jahr, für die die Stadt Netzwerkpartner aus allen gesellschaftlichen Ecken sucht. Alkoholexzesse unter Jugendlichen, wie sie diese Szene nachstellt, sollen damit zurückgehen. Die Kinderkliniken zählten in diesem Jahr bereits 70 Jugendliche, die wegen Alkoholmissbrauchs behandelt werden mussten. ArchivFoto: Roman Grösser
In Darmstadt soll ab kommendem Jahr bei Volksfest-Eröffnungen durch die Stadt auf den Jugendschutz beim Umgang mit Alkohol hingewiesen und für Veranstaltungen mit einem hohen Jugendanteil begleitende Teams gebildet werden. Zudem will man mit Einzelhandel und Gastronomie entsprechende Selbstverpflichtungen vereinbaren, die durch ein Logo, Plakat oder Buttons sichtbar werden. Das und weitere Maßnahmen sieht die Kampagne »Jugend und Alkohol« vor, unter deren Motto die Präventionskonferenz am Donnerstagabend in der Orangerie stand.
Von einem »sehr ambitionierten Plan« sprach Sozialdezernent Jochen Partsch, der das Konzept vorstellte. Es gehe nicht darum, eine missionarische Anti-Alkohol-Kampagne zu starten, sondern Kindern und Jugendlichen zu helfen, gesund und verantwortlich mit diesem Genussmittel umzugehen. »54 Prozent der Zwölf- bis Siebzehnjährigen leben absolut abstinent«, betonte er. Doch er verwies auch auf jugendliche Besäufnisse. »Und wir haben es mit einem starken Gegner zu tun.« 1,2 Milliarden Euro pro Jahr würden in Deutschland in Alkoholwerbung gesteckt.
Preisträger
Im Rahmen der Konferenz wurde zum siebten Mal der Präventionspreis des Fördervereins Prävention verliehen. Den ersten und mit 1500 Euro dotierten Preis erhielt das Projekt »Capoeira goes Kranichstein«, Platz zwei und 1000 Euro nahm der Groß-Zimmerner Jugendpfleger Tom Hicking für zwei Suchtpräventionsprojekte an der Albert-Schweitzer-Schule entgegen, den dritten Preis und somit 500 Euro erhielt das Projekt »Mediencoaching à la carte - Top(f)fitte Kinder gestalten eine Kochsendung« des Aktivspielplatzes Herrngarten und des Kinderhauses Paradies.
Der Hauptreferent des Abend indes nahm da eine zurückgelehnte Haltung ein: »Nachhaltige Prävention braucht Augenmaß und gesunden Menschenverstand«, befand der Historiker Hasso Spode in seinem Vortrag über Alkoholprävention im historischen Vergleich. Es sei schon bemerkenswert: »Wir trinken immer weniger, aber machen uns immer mehr Sorgen.« Offenbar lebten wir derzeit in einer »asketischen Besorgnis-Gesellschaft«.
In seinem Abriss über die Entwicklung von schwankendem Pro-Kopf-Verbrauch, diversen Trinkkulturen und wiederkehrenden Abstinenzbewegungen wurde eins überdeutlich: Getrunken wurde schon immer. »Eine Alkoholkontrollpolitik ist unabdingbar«, räumte der Professor einerseits ein. Doch sei es absurd, die Deutungshoheit denen zu überlassen, die besonders abstinent leben. »Wir haben keine Belege für eine reale Zunahme exzessiven Trinkens bei Jugendlichen«, gab er zu bedenken. Vielmehr habe sich das Anzeigeverhalten geändert.
Doch es gab auch besorgtere Stimmen auf der Präventionskonferenz. »Wir haben in den letzten Jahren zunehmend mehr Kinder mit Alkoholkonsum bekommen - wie andere Städte auch«, berichtete der Psychologe Norbert Kohl von den Kinderkliniken Prinzessin Margaret in der von ECHO-Redakteurin Birgit Femppel moderierten Diskussion mit diversen Kooperationspartnern kommunaler Prävention. Hätten sie 2004 noch 24 Fälle gezählt, seien bis Ende Oktober für dieses Jahr 70 zu verzeichnen gewesen. Im Moment sei das die häufigste Diagnose auf ihrer Station.
»Wir verkaufen Spaß, Gemütlichkeit und Genuss«, stellte Wolfgang Koehler als Vertreter der örtlichen Brauereien klar, »sind aber gleichzeitig gegen übermäßigen Alkoholkonsum.« Trotzdem gab er zu bedenken, dass der Staat jährlich 3,3 Milliarden Euro Steuern durch Alkohol einnimmt. Polizeidirektor Helmut Biegi verwies in dem Zusammenhang auch auf die Entwicklung, dass Alkohol mittlerweile rund um die Uhr verfügbar ist. Und dass zwar Polizeikontrollen helfen, aber vor allem die Eltern als Verantwortliche gefordert sind.
Eine zuweilen auch »scheinheilige Diskussion« beklagte Ordnungsdezernent Dieter Wenzel in der Diskussion. »Wir trinken alle ganz gerne und auch mal über den Durst, und wir müssen lernen, damit umzugehen.«
Einen ähnlichen Ansatz verfolgte auch Peter Hoffmann - allerdings als Teil des Duos »Kabbaratz« etwas zugespitzter: Er riet, Jugendlichen das Trinken besser beizubringen, statt es zu verteufeln. Man könne ja langsam mit Wein und Bier anfangen. Und so ein ordentlicher Kater könne viel mehr über Alkoholmissbrauch vermitteln als alle Eltern und Lehrer zusammen. »Alkohol, in Maßen genossen, kann auch in größeren Mengen nicht schädlich sein.«
Fußball-Kick statt Alkohol-Trip
Suchtprävention: Kampagne der AG Kobra und des SV Darmstadt 98 »Meine Abwehr steht« geht in die zweite Runde, Eingetragen von Volker Weyel am 5.11.2010

Verbündete gegen die Sucht: Hans Kessler, Präsident des SV 98 (links), Suchthilfekoordinator Volker Weyel (Mitte) und Jugenddezernent Jochen Partsch bei der Auftaktveranstaltung von »Meine Abwehr steht« in der Veranstaltungshalle »603 qm«. Foto: Claus Völker
Am Wochenende hatte Haluk Türkeri für den SV Darmstadt 98 einen Treffer erzielt, am Montag nimmt er in voller Spielermontur in der Veranstaltungshalle »603 qm« (ehemalige Stoeferle-Halle) Platz neben dem achtjährigen Paul. Der schaut sichtlich beeindruckt, doch schnell weicht die erste Überraschung der blanken Neugier. »In welcher Liga spielst du?«, fragt er den Lilienkicker. »Regionalliga«, antwortet dieser.
Auch die übrigen leeren Plätze füllen sich nach und nach mit Spielern des SV 98. Frisch vom Training kommt die Mannschaft zum Wiederanpfiff der Suchtpräventionskampagne »Meine Abwehr steht«. Anfang des Jahres hatten die AG Kobra, ein Zusammenschluss Darmstädter Jugendhäuser, und der SV Darmstadt 98 die Anti-Alkohol-Aktion gestartet. Da zum Saisonstart einige neue Spieler in den Kader kamen, soll das Treffen im »603 qm« dem gemeinsamen Kennenlernen dienen und zugleich die zweite Runde einläuten.
150 Kinder und Jugendliche sind im ersten Durchgang von der Kampagne erreicht worden, bilanziert Michael Kirschner vom Fanprojekt Darmstadt. »Die positiven Erfahrungen wollen wir fortführen, Vorbilder aufzeigen und die Konfliktfähigkeit trainieren«, sagt er.
Hierzu soll es erneut Trainingseinheiten für die Kinder und Jugendlichen mit der Lilienmannschaft am Böllenfalltor geben, zudem sollen Sportler regelmäßig in den Jugendhäusern vorbeischauen. Das Ziel: Fußball-Kick statt Alkohol-Trip.
Neu sind Seminare in den Jugendeinrichtungen, an denen im Idealfall alle Spieler des SV 98 teilnehmen sollen, sagt der städtische Suchthilfekoordinator Volker Weyel.
Im Stil des »aktuellen Sportstudios« führt er Gespräche mit Spielern sowie den Schirmherren: Jugenddezernent Jochen Partsch und Hans Kessler, Präsident des SV 98. »Wir möchten euch zeigen, dass es auch ohne Alkohol, Zigaretten und Drogen geht«, sagt der Lilienchef in die mit Kindern und Jugendlichen gefüllten Reihen.
Seine Spieler seien nicht nur Sportler, sondern hätten auch eine soziale Verantwortung. Man wolle helfen, wo man könne. Immerhin sei es auch dem SV Darmstadt 98 eine Zeitlang nicht so gut gegangen, und man habe viel Unterstützung aus der Stadt erfahren. »Projekte wie dieses sollten langfristig angelegt sein, deswegen ist auch der Wiederanpfiff so wichtig«, sagt Jochen Partsch. Hans Kessler betont daraufhin, dass die Mannschaft mitsamt Trainer hinter dem Projekt stehe. »Wir werden das Beste geben, damit ihr euch vor Anfragen nicht retten könnt«, sagt schließlich Torwart Rainer Adolf. Jubel macht sich breit, und dann geht es an die Spielstationen: eine Torwand, ein Tischfußball und weitere Spielanlagen sind für Kids und Kicker aufgebaut, besonders begehrt sind allerdings Autogramme.
»Wie viele hast du schon?«, fragt Iljas (8) seinen Bruder Amin (10), die gemeinsam ihre Mannschaftsposter begutachten und nachrechnen, wer bislang die meisten Unterschriften gesammelt hat. Die Spieler haben alle Hände voll zu tun und tummeln sich mit den Kindern am Tipp-Kick.
»Sie gehen ganz toll auf die Lebenswelt der Kinder ein«, sagt Kai Schuber vom Kinderhaus Paradies in Eberstadt. »Bei ihnen schauen die Kinder ganz anders hoch«, beschreibt er den Effekt, den die Spieler als Idole auf die Heranwachsenden haben. »Das hier bedeutet mir sehr viel«, sagt Paul, der inzwischen mit Joel Samaké kickert. »Ich möchte noch viele Spieler kennenlernen.« Gelegenheit hierzu dürfte er bekommen. Im November sind laut Volker Weyel noch zwei Trainings am Böllenfalltor vorgesehen, dann könnten die ersten Spieler die Jugendhäuser besuchen.
Erste Trainingseinheit für "Meine Abwehr steht"
Das Kooperationsprojekt, Eingetragen von Volker Weyel am 24.3.2010
Das Kooperationsprojekt "Meine Abwehr steht" des Kommunalen Präventionsrates Darmstadt (KPRD), der AG KOBRA und des SV Darmstadt 98 ging - nach offizieller Vorstellung am letzten Spieltag gegen den SV Wehen Wiesbaden II - am gestrigen Montag (22.) in die Umsetzungsphase.


Rund 20 Kinder aus verschiedenen Darmstädter Jugendhäusern zwischen 6 und 12 Jahren besuchten ab 16 Uhr das Gelände am Böllenfalltor und schauten erst einmal gespannt beim Training der Regionalliga-Mannschaft des SV 98 zu. Im Anschluss kam es zum Höhepunkt des Tages für die Kids. Auf dem Rasen des Böllenfalltorstadions durften sie eine Übungseinheit mit den Spielern des SV 98 und Jugendkoordinator Björn Kopper durchführen.
"Christian Wiesner, Spieler des SV 98: "Es war ein schöner Start für die Veranstaltung und das sonnige Wetter am gestrigen Nachmittag hat uns Mut gemacht, dass die Kampagne eine positive Zukunft hat. Für die Kinder und für die beteiligten Spieler war es eine gute Erfahrung und wir freuen uns auf die nächsten beiden Einheiten".
"Volker Weyel, Suchthilfekoordinator der Stadt Darmstadt: "Die Spieler waren mit Herz und Überzeugung dabei. Sie waren absolut authentisch und hatten ein sehr nettes Auftreten. Es war eine sehr schöne Veranstaltung. Die Jugendlichen waren voller Begeisterung und äußerten auf der Heimfahrt in Gesprächen ihren hohen Respekt gegenüber den Spielern. Es wurden durchweg positive Eindrücke mit nach Hause genommen."
"Hintergrund der gemeinsamen Initiative des KPRD, des Darmstädter Präventionsnetzwerkes AG KOBRA und des südhessischen Traditionsvereins SV Darmstadt 98 ist die Tatsache, dass nach dem Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung fast jeder zehnte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren einen riskanten oder gefährlichen Alkoholkonsum aufweist. Zudem seien laut Stadtrat Jochen Partsch eine Vielzahl von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern in Darmstadt von klassischen Präventionsstrategien in Schulen und anderen pädagogischen Institutionen nicht erreichbar."
"Hier möchte das Projekt ansetzen und in Zusammenarbeit mit dem SV Darmstadt 98 die Maßnahmen pädagogischer Institutionen unterstützen. Zu diesem Anlass fand nach der Trainingseinheit noch eine Fragerunde statt, in der die Kinder ihre Fragen rund um den Fußball und den Werdegang der Spieler an die Lilien-Kicker richten konnten.
Weitere gemeinsame Trainingseinheiten der Darmstädter Jugendhäuser und des SV Darmstadt finden im April und Mai statt."
Meine Abwehr steht
Kommunaler Präventionsrat, AG KOBRA und SV Darmstadt 98 stellen Kooperationsmodell zur Suchtprävention vor, Eingetragen von Volker Weyel am 22.3.2010

"Meine Abwehr steht" - so lautet der Titel eines Kooperationsprojekts des Kommunalen Präventionsrates Darmstadt (KPRD), der AG KOBRA und des SV Darmstadt 98, das am heutigen Freitag (19. März) vom Sozialdezernenten der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Stadtrat Jochen Partsch, und dem Präsidenten des SV Darmstadt 98, Hans Kessler, im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Stadtrat Partsch erläutert zu Beginn den Hintergrund der gemeinsamen Initiative des KPRD, des Darmstädter Präventionsnetzwerkes AG KOBRA und des südhessischen Traditionsvereins SV Darmstadt 98. Partsch berichtet, dass nach dem Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung fast jeder zehnte Jugendliche im Alter von 12 - 17 Jahren einen riskanten oder gefährlichen Alkoholkonsum aufweist. Diese Zahlen decken sich mit den Erhebungen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Gleichzeitig sind eine Vielzahl von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern in Darmstadt von klassischen Präventionsstrategien in Schulen und anderen pädagogischen Institutionen nicht erreichbar.
Besonders auffällig bei dieser Zielgruppe sind die fehlenden Vorbildfunktionen und Orientierungsmöglichkeiten im Elternhaus wie auch im direkten sozialen Umfeld sind sich Stadtrat Partsch und der Leiter des Kommunalen Präventionsrates Volker Weyel einig. Hier bietet nun nach Ansicht der drei Kooperationspartner der Vorbildcharakter und die Identifikation von Kindern und Jugendlichen mit dem SV Darmstadt 98 eine Chance für ein zielgerichtetes und Erfolg versprechendes gemeinsames Projekt zur Suchtprävention. Ziel des Kooperationsprojektes ist die Förderung von Schutzfaktoren und die Organisation von Vorbildfunktionen zum Umgang mit Suchtmitteln.
"Wir freuen uns sehr, dass der SV Darmstadt 98 die Kampagne MEINE ABWEHR STEHTder AG Kobra unterstützen darf", erklärt der Präsident des SV Darmstadt 98, Hans Kessler, und ergänzt: "Wir sehen uns nicht nur als Sport- und Fußballverein, sondern als Darmstädter Institution mit einer großen sozialen Verantwortung. Daher haben wir auch keinen Moment gezögert, als wir auf diese Idee angesprochen worden sind."
Jochen Partsch und Hans Kessler sind sich einig, dass dieses Projekt ideal in ein neues derzeit noch in der Ausarbeitungsphase befindliches Vereinskonzept, das sich unter anderem auch mit der sozialen Verantwortung des SV Darmstadt 98 beschäftigt, passt. "Im Zuge dessen wollen wir uns in Zukunft mehr und mehr unter dem Motto Jugend trifft Sport mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen", gibt Präsident Kessler schon einmal die Richtung vor.
Die Kampagne "Meine Abwehr steht" wird im Rahmen des morgigen Heimspiels des SV Darmstadt 98 gegen den SV Wehen Wiesbaden II im Stadion am Böllenfalltor (Anpfiff um 14 Uhr) öffentlichkeitswirksam präsentiert werden. Dabei werden die ersten Jugendlichen mit speziellen Kampagnen-T-Shirts ausgestattet. Zudem wird es auch einen Auftritt einer Cheerleadergruppe aus Eberstadt geben.
Im Folgenden werden an drei Tagen (22. März, 06. April und 19. April) Trainingseinheiten mit der Regionalligamannschaft des SV Darmstadt 98 für Kinder und Jugendliche aus Darmstädter Jugendhäusern in verschiedenen Altersgruppen angeboten. Im Anschluss an diese Trainingseinheiten werden Trainer und Spieler für eine Gesprächsrunde zum Thema Suchtprävention sowie Fragen zur eigenen sportlichen Laufbahn zur Verfügung stehen.
"Das Projekt MEINE ABWEHR STEHT ist bei der Mannschaft auf großes Interesse gestoßen", erklärt Christian Wiesner, Spieler des SV Darmstadt 98. "Bei den Trainingseinheiten mit den Kindern und Jugendlichen wird der komplette Kader eingebunden sein. Darüber hinaus werden einige Spieler Patenschaften für Jugendhäuser der Stadt Darmstadt übernehmen und regelmäßig in Aktionen dieser Einrichtungen eingebunden werden", so Wiesner weiter. So soll in den Stadtteilen eine personifizierte Identifikation mit dem SV Darmstadt 98 und den Zielsetzungen des Kooperationsmodells geschaffen werden und gleichzeitig ein alltagsrelevanter Bezug zwischen professionellem Leistungssport und Sozialarbeit hergestellt werden. Zudem soll damit und mit weiteren noch in der Planungsphase befindlichen Aktionen die Nachhaltigkeit dieser Kampagne unterstrichen werden, wie alle Beteiligten unisono betonten.
Abschreckung hilft nicht gegen Koma-Saufen
Dialogforum Sucht: Darmstädter Präventionsrat befasst sich mit dem brisanten Thema Jugend und Alkohol, Eingetragen von Volker Weyel am 24.6.2009
Sie trinken, bis der Arzt kommt: Bei vielen Jugendlichen gehört Koma-Saufen zum Alltag. Mehr als 20 Prozent der Minderjährigen waren laut Drogenbericht der Bundesregierung im vergangenen Jahr mindestens einmal im Monat betrunken, über 23 000 Kinder wurden mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus gebracht.
Erschreckende Zahlen, die für den Kommunalen Präventionsrat Darmstadt am Mittwoch Anlass waren, beim Dialogforum Sucht in der Gaststätte Waben das Thema Alkohol und Jugend zu beleuchten. Vor etwa 80 Zuhörern sprach Sozialdezernent Jochen Partsch (Grüne) zwar vom Recht auf Rausch eines jeden erwachsenen Bürgers, doch müsse damit verantwortungsbewusst umgegangen werden.
Partsch zitierte aus einer Umfrage der Hochschule Darmstadt. Demnach gaben 2007 über 50 Prozent der Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahre an, regelmäßig Alkohol zu konsumieren. Bei 72 Prozent wüssten die Eltern davon, 47 Prozent der Schüler dürften auch zu Hause Alkohol trinken.
Für Partsch ist das "besorgniserregend" Die Stadt Darmstadt, in der 1992 der erste hessische Präventionsrat eingerichtet worden war, versuche dem unter anderem durch Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildungen für in der Jugendarbeit tätige Menschen und einen Expertenpool zu begegnen. Als eine von wenigen Städten verfüge Darmstadt seit 2003 über ein ausformuliertes Sucht- und Drogenhilfekonzept.
Es ist kein Hype, wenn man über das Thema Jugendliche und Alkohol redet, konstatierte Wolfgang Schmidt, Geschäftsführer der hessischen Landesstelle für Suchtfragen. Zwischen 2000 und 2007 sei die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholvergiftungen in Hessen bei Fünfzehn- bis Zwanzigjährigen von 583 auf 1225 gestiegen. Er und Partsch kritisierten die Alkoholindustrie, die jährlich etwa 1,2 Milliarden Euro für Werbung ausgebe.
Da der Alkoholkonsum bei Erwachsenen leicht rückläufig sei, spreche sie mit Biermischgetränken gezielt Frauen und junge Menschen an und habe es geschafft, das Altherrengetränk Jägermeister hip werden zu lassen. Schmidt hält das für bedenklich. Ebenso wie Tankstellen, in denen rund um die Uhr Bier, Wein und Schnaps erhältlich sind.
Alkohol gehöre samt der Exzesse zur Gesellschaft - obwohl er nach Nikotin und Bluthochdruck das dritthäufigste Krankheitsrisiko sei. Abschreckung brächte jedoch nichts, so Schmidt, der sich mehr Engagement des Bundes wünschte. An effektiven Präventionsmethoden nannte er Familientrainings, Programme in Schulen, bei denen Kinder lernen, ihr Leben zu bewältigen und Gesetze zur Beeinflussung des Alkoholpreises. Wichtig sei, die einzelnen Aktionen innerhalb einer Kommune zu koordinieren.
Eltern und Erwachsene müssten sich der Vorbildfunktion beim Umgang mit Alkohol bewusst werden und Kinder ermuntern, möglichst lange ohne Alkohol zu leben. Schließlich hätten sich Ordnungsämter zu fragen, ob es wirklich wichtiger sei, Parksünder zu jagen, statt die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes zu überprüfen.
Bei einer von Volker Weyel, dem Leiter des Präventionsrats moderierten Runde mit zahlreichen Gesprächspartnern hob Ordnungsamtsleiter Werner Appel hervor, dass Flatrate-Trinkveranstaltungen verboten würden - sofern wir davon erfahren. Von einem größeren Einsatzradius berichtete Georg Berg, Betriebsleiter des Rettungsdiensts DRK Starkenburg. Seien seine Leute früher bei Festen gefragt gewesen, müssten sie heute mehr Jugendliche zu Hause und auch mehr Mädchen abholen. Kabarettist Peter Hoffmann äußerte angesichts des Leistungsdrucks ein gewisses Verständnis dafür, wenn Jugendliche einmal alles hinter sich lassen wollten.
Einfache Lösungen, wie dem Phänomen Koma-Saufen begegnet werden kann, brachte das Forum nicht hervor - doch zumindest saßen zahlreiche Akteure vom Jugendamt bis zu Polizei und Sportverein an einem Tisch. Schmidt sieht Darmstadt auf einem guten Weg. Was hier im Präventionsbereich existiert, gibt es in vielen deutschen Städten überhaupt nicht, lobte er. Partsch hörte es gern. Darauf ausruhen will er sich nicht.
Berichterstattung Darmstädter Echo 18.06.2009
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